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Album-Release-Konzert am 29.09.2010 in Erfurt im Centrum
Irgendwie haben sie ja alle schon einmal
behauptet, dass die glorreichen
Zeiten des Rock 'n' Roll vorbei seien.
Doch so lange die schönen Dinge des Lebens
ihre Berechtigung fi nden – nämlich
Frauen, Sex und diese unglaublichen
Nächte mit Gitarren, Drums und zerrendem
Bass in einem dreckigen Club mit
Schmuddellicht – wird die Zeit der rebellischen
Musik nicht vergehen. Und so ist
es nicht verwunderlich, dass sich die vier
Mittzwanziger von Chocolate Box genau
mit diesen Lebenselixieren bepackt
aufmachen, um das Genre zu häuten
und neu aufzuziehen.
Es sind blutjunge
Schönheiten, die weder aus London noch
der Mitte Berlins kommen. Ihr Stil entsteht
unter eher widrigen Bedingungen,
in Garagen, alten Hallen, abseits vom
Glanz der großen Stadt und weit entfernt
von professionellen Tonstudios. Vielleicht
liefern Chocolate Box genau deswegen
mit ihrem ersten, gleichnamigen Album
ein dermaßen unverbraucht authentisches
Werk ab. Messerscharf klingen
die Gitarren-Riff s in Stücken wie „As the
sun refused to shine“ oder „Lions“. Die
Drums werden mit höchster Intensität
gepeitscht, der Bass strotzt vor Leidenschaft
und dazu erklingt die Stimme von
Robert Kiesewetter, der, so scheint es, mit
jedem Ton den Sonnenaufgang heraufbeschwört,
obgleich die Texte und Melodien
ein off enes Spiel „Gut gegen Böse“
betreiben. Es geht um die Liebe, Freundschaft,
Aufbruch. Die Musik wird ergänzt
und wieder entschlackt, bei Songs wie
„When she says goodbye“ in amerikanischen
Highschool-Rock gewandelt, um
dann bei „Black Mail“ so gnadenlos zu
gipfeln, dass dem Nachbarn der Putz von
der Decke rieselt. Die Spielart ist elegant,
schnell und bisweilen so extrovertiert,
dass man glaubt den Begriff der „Jungen
Wilden“ neu defi nieren zu müssen. Rock
'n' Roll is alive und Chocolate Box liefern
den aufwühlenden Soundtrack zu einem
Musik-Revival, ohne Retro-Spuren und faden
Teeny-Pop-Beigeschmack zu hinterlassen.
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